Vortrag im Rahmen des Aktionsbündnis „Alte Sternwarte“

Mannheimer Sternwarte (Bild: Rudolf Stricker, Wikipedia)

„Von der Kurpfalz in den Kosmos -
  Von der Sternwarte zu Satelliten-Teleskopen"
Prof. Dr. Dietrich Lemke, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
Donnerstag, 29.03.2012, 19.30 Uhr

Eintritt frei!

Heidelberg ist heute ein international bedeutendes Zentrum der Astronomie, in dem Wissenschaftler aus über dreißig Ländern in sechs Instituten das Universum erforschen. Aber wie hat alles begonnen? Vor über 400 Jahren, noch vor der Erfindung des Fernrohres, entstanden in Heidelberg die ersten Sternwarten auf dem Dach und im Garten der Universität Heidelberg. Um näher am fördernden Kurfürsten zu sein, wurden die folgenden Sternwarten auf dem Dach des Schwetzinger Schlosses und schließlich neben dem Mannheimer Schloss errichtet. Mit der Industrialisierung Mannheims wurde die Luft dort immer „schauderhafter“ und deshalb zog die kurpfälzisch/badische Astronomie 1898 in die erste Bergsternwarte Deutschlands auf dem Königstuhl bei Heidelberg. Sie gehörte damals zu den leistungsfähigsten der Welt: hier wurden die Astro-Photographie entwickelt, Hunderte von Kleinplaneten entdeckt und die Natur der kosmischen Nebel erforscht. Zwei Weltkriege ließen die beobachtende Astronomie in Deutschland zurückfallen. 

Vor 45 Jahren wurde schließlich wahr, wovon die deutschen Astronomen über ein halbes Jahrhundert geträumt hatten: Die Max-Planck-Gesellschaft beschloss 1967 den Bau großer Sternwarten im günstigen Klima des Südens, betrieben von einem neuen Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Die größte Sternwarte mit einem 3,5m- und einem 2,2m-Fernrohr entstand auf dem Calar Alto in Spanien, weitere auf dem Gamsberg in Namibia und auf dem Berg La Silla in Chile. Im Heimatinstitut auf dem Königstuhl wurden zusätzlich Beobachtungsinstrumente für die Weltraumastronomie mit Ballons, Raketen und Satelliten entwickelt. Heute werden vor allem die leistungsfähigsten europäischen Großforschungseinrichtungen genutzt: die Teleskop-Giganten der Europäischen Südsternwarte ESO und die Weltraum-Observatorien der Europäischen Weltraumagentur ESA. 

Auf unserem Streifzug durch vier Jahrhunderte kurpfälzer Astronomie werden uns bedeutende Wissenschaftler und ihre Entdeckungen begegnen: Johannes Kepler, Christian Mayer, Gustav Kirchhoff, Wilhelm Bunsen und Max Wolf. Hier wurde die „Astronomia Nova“ mit den Keplerschen Gesetzen gedruckt, hier wurde mit der Spektralanalyse der Sonne die Astrophysik begründet. Schließlich werden wir einen Einblick in die heutigen Forschungsgebiete, die jüngsten Instrumente und ein neues Bild vom Kosmos erhalten.


Dietrich Lemke
(Bild: SuW)

Dietrich Lemke studierte Physik an der Universität Heidelberg. Nach seiner Promotion in Astronomie arbeitete er am Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg im Bereich Infrarot-Astronomie und war bis zu seiner Emeritierung für verschiedene Weltraumprojekte des Instituts verantwortlich.

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte der Astronomie. Er ist Autor des Buches „Im Himmel über Heidelberg - 40 Jahre Max-Planck-Institut für Astronomie, 1969 – 2009", das am MPIA erhältlich ist.